„Wir habe keine Option zu resignieren!“

Die Kirchenkreise in Stadt und Landkreis Osnabrück hatten zu einem Begegnungsabend mit Ralf Meister, dem Bischof der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, eingeladen. Superintendent Wolfgang Loos konnte knapp 200 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende der Kirchenkreise Bramsche, Georgsmarienhütte, Melle und Osnabrück im Meller Veranstaltungszentrum „Forum am Kurpark“ begrüßen. Grund des Abends ist der Besuch des Landesbischof in den Kirchenkreisen des Osnabrücker Landes, der insgesamt fünf Tage dauert.

Dialog: Landesbischof Ralf Meister im Gespräch mit Teilnehmern des Begegnungsabends. (Foto: Eilers)

Dialog: Landesbischof Ralf Meister im Gespräch mit Teilnehmern des Begegnungsabends. (Foto: Eilers)

Als Vorsitzende des neuen Kirchenkreisverbandes in Stadt und Landkreis Osnabrück führte Superintendentin Doris Schmidtke durch den Abend. Sie sei gespannt auf den Bericht des Bischofs nach Abschluss der Reise, betonte Schmidtke. und gab eine Zusammenfassung des Prozesses der Neustrukturierung der Kirchenkreise im Osnabrücker Land. Dabei hob sie „das Gemeinsame“ hervor, auch im Miteinander mit der reformierten Kirche.

Landesbischof Ralf Meister dankte zu Beginn seiner Rede für die Möglichkeiten der Begegnung mit vielen Haupt- und Ehrenamtlichen. Er meinte, dass er noch keinen abschließenden Bericht über den Besuch geben könne, aber deutlich wahrgenommen habe, dass sich die lutherische Kirche im Raum Osnabrück in einer besonderen ökumenischen Situation befinde. Er habe dies beim besuch in der Stadt Osnabrück, bei der Rundreise durch den Kirchenkreis Bramsche oder im Gespräch mit dem Landrat erlebt. Das unterscheide die Region deutlich von anderen Regionen. Da habe ich viel gelernt und werde viel davon mitnehmen.

„Evangelische Positionsbestimmung“ – dieses nicht einfache Thema sei ihm für den Vortrag gegeben worden. Als erstes Beispiel fragte er, was es heiße, evangelisch zu sein. Er ging dabei besonders auf die bevorstehende Kirchenvorstandswahl am 18. März dieses Jahres ein. Hier würden mehrheitlich Ehrenamtliche in die Kirchenvorstände, in die Kirchenkreistage und Synode gewählt. „Das ist typisch evangelisch!“

In der Geschichte der evangelischen Kirche sei das nicht von Anfang an gewesen. Heute komme der Grundsatz der gleichen Beauftragung von Laien und Hauptamtlichen auch in der Kirchenvorstandswahl zum Ausdruck. Diese grundsätzliche Gleichstellung führte der Bischof unter anderem auf Martin Luther zurück. Sicherlich werde eine gewisse Ordnung in der Beauftragungen zu den verschiedenen kirchlichen Diensten benötigt. „Heute brauchen wir mehr als zuvor die Ehrenamtlichen! Die ehrenamtliche Mitarbeit in den Kirchenvorständen gibt die Möglichkeit, an zentralen Beschlüssen der Kirche und damit an den Wesensmerkmalen der Kirche mitzuwirken“, stellt er heraus.

Ein weiteres Thema in der Rede des Landesbischofs war die Freiheit in den Entscheidungen jedes Einzelnen auf Basis der ethischen Grundlagen des christlichen Glaubens. Meister verdeutlichte, dass diese ethische Grundlage nicht automatisch zu einfachen Antworten auf schwierige Fragen führe. Als Beispiel sagte er „Als Grundsatz gilt: Du sollst nicht töten.“ Dennoch gebe es Situationen, in denen Menschen anders entscheiden müssen, so zum Beispiel bei Schwangerschaftsabbrüchen oder der bestimmten Formen der Sterbehilfe.

„Der Versuchung von Normierungen, die Sicherheiten versprechen, müssen wir widerstehen, so kompliziert diese Welt auch ist,“ fasste er seinen Vortrag zusammen, für den das Publikum anhalten Applaus gab.

„Was Sie den Bischof schon immer fragen wollten“ war das Motto der anschließenden Fragerunde mit dem Publikum. Auf eine Frage nach der Zukunft der Kirche im Zusammenhang mit zurückgehenden Mitgliedszahlen sagte Meister: „Wir müssen die Grundgesten des Glaubens wie die der Gnade oder der Versöhnung als Kirche wach halten. Wir habe keine Option zu resignieren!“ Nach der „Fragestunde“ stand Bischof Meister für kleine Gesprächsrunden zu Verfügung, die reichlich nachgefragt wurden.

Begleitet wurde der Abend vom „Meller Blechbläseruintett“.


Von: Eckhard Eilers
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